Zahlen & Fakten

Die Linie 310 verbindet bereits Bochum mit Witten. Eine Verlegung der Strecke bedeutet nicht, daß mit der Verlegung Witten besser erschlossen wird, sondern tatsächlich , daß die Streckenführung nur anders verlaufen soll. Hierzu wurde ein Gutachten erstellt, das aussagen soll, daß einzig diese Verlegung von eine Rentabilität hervorbringen würde. Hierzu zeigen wir ihnen nachfolgend einige Ungereimtheiten auf.

Etwas peinlich wird die ganze Straßenbahnplanung mit samt den Aussagen der Befürworter wenn es um Zahlenangaben geht. Lt. der Planungsabteilung soll die Straßenbahn in Langendreer 30000 Personen im Zielgebiet Langendreer erreichen. Ein Bezirksvorsteher nannte auf der letzten Sitzung sogar 37000 Langendreerer die zusätzlich mit der Straßenbahn fahren würden. Diese Zahlenangaben sollte man als reine, “leicht überzogene” Werbemaßnahme mit einem Hang zur Übertreibung betrachten. Effekthascherei dürften weder Bogestra noch Planer initiieren, nur um ihr Lieblingsspielzeug zu erhalten. Die genannten 30000 Personen können ebenfalls nicht richtig sein. Langendreer hat derzeit nur ca. 26601 * Einwohner. Wo die Straßenbahnbauwilligen die restlichen 4000 Einwohner herzaubern wollen, die zur “Erfüllung” des Gutachtens nötig wären, bleibt weiterhin schleierhaft.

Dem Rat der Stadt Bochum werden noch heute , im Jahr 2006, unter dem Punkt - Heutiger Zustand und Perspektiven - an den Haaren herbeigezogene Zahlen untergejubelt (freundlicher Ausgedrückt - vermittelt). Da heißt es lapidar: “ Die Hälfte der rd. 36ooo Einwohner von Langendreer wohnen im direkten Einzugsbereich der verlegten Straßenbahnlinie. Es sind und bleiben aber lediglich 26000 Einwohner im gesamten Stadtteil Langendreer. Und die andere Hälfte, die nicht im geplanten Verlegungs - Einzugsbereich wohnt, hat bereits eine Straßenbahn (Baroper Str.) und gerade die soll nun mit der Verlegung wegfallen. Und dann werden es noch immer weder mehr Einwohner noch Fahrgäste sein, auch wenn es noch so oft behauptet , oder noch so oft geschrieben wird. Hier kann man sagen - Märchenstunde sowohl für den Stadtrat als auch für den Landtag.

Für die Begründung des dringenden Bedarfs wurde eine Taktzeit von 10 Minuten zugrunde gelegt. Auf dieser Taktzeit basieren alle weiteren Berechnungen und Prognosen. Hier wird dann immer von einer “Beförderungskapazität” gesprochen, also von der maximalen Möglichkeit, Personen zu befördern. Die Auslastung hingegen, wie voll oder leer so eine Straßenbahn herumfährt, ist dabei nebensächlich. Im derzeitigen 2o Minutentakt werden allerdings schon jetzt überwiegend leere Sitzeplätze herumgefahren. Bei dem Vorhaben, die Straßenbahn alle 10 Minuten fahren zu lassen, kann es somit ohne weiteres vorkommen, daß der Straßenbahnfahrer in seiner schönen neuen Bahn, mit leeren ungenutzten Sitzen ganz alleine herumfährt.  Dies bedeutet, daß schon jetzt eine Überkapazität vorhanden ist. Gerade auf der Strecke nach Witten könnte im Falle eines echten Bedarfs ohne weiteres die Taktzeit tatsächlich verkürzt werden, ohne daß gleich eine neue Straßenbahnlinie gebaut werden muß. Aber da dies nie der Fall sein wird, mangels Nutzung, kann man u.E. in keiner Weise einen Bedarf erkennen.

Auch eine größere Straßenbahn mit einem viel größeren Platzangebot verbindet Bochum mit Witten nicht effektiver, solange die derzeitige Verbindung nicht ausgelastet ist. Und mehr Sitzplätze im Angebot bedeuten nicht, daß auch mehr Personen diese Bahn benutzen. Ein Mehrbedarf an Sitzplätzen ist einfach nicht vorhanden.

Lt. Aussage des Planers Herrn Töpfer und des Bogestraverteters, Herrn Filter wäre das GVFG (Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungs-Gesetz) nicht mehr Planungsgrundlage. Immerhin ein Gesetz des Bundes zur Finanzierung wichtiger Verkehrswege. Damit hätte das Land einen Extrabeschluss herbeigeführt um dieses Gesetz zu umgehen. Nunmehr würde das ÖPNVG NRW (Öffentliches Personen Nahverkehrs Gesetz NRW) die Förderfähigkeit ermöglichen. Nicht nur, daß hier mit wichtigen Gesetzen umgegangen wird, als seien sie nicht notwendig, sondern hier wird das ganze nur unter dem Aspekt betrachtet, daß die Fördermittel auf Teufel komm raus.sprudeln müssen. Den vorgetragenen entsprechenden Passus im ÖPNVG des Bundes, auf den sich einige berufen, konnte allerdings noch nicht gesichtet werden. Hier wird selbstverständlich weiter ermittelt. Hintergrund ist, daß durch das Bundesgesetz GVFG nur Strecken mit eigenem Gleiskörper bezuschußt werden und dieser den Planern überhaupt nicht gefällt, weil die Straße bekannter Maßen entschieden zu schmal ist.

Nur mit einem eigenen Gleiskörper können die Vorteile einer Straßenbahn voll ausgeschöpft werden. Jeder auch noch so kurze Verlauf in der Fahrbahn stellt ein Nadelöhr dar. Und bei einem eigenen Gleiskörper bestehen keine so großen Gefahrenpotentiale bzw. werden Unfälle mit dem PKW Verkehr vermeidbar.

Aber es gibt einen Punkt, der wird mit Abstand von den Planern am meisten missachtet - der prognostizierte Bevölkerungsrückgang in Bochum. Derzeitiger Stand ca. 382 000 Einwohner, im Jahre 2010 etwa 375 000 Einwohner und bis 2015 wird die Einwohnerzahl nur noch ca. 366 000 betragen. Bedeutet, für weniger Menschen soll noch eine Strassenbahn gebaut werden auf der Basis eines Gutachtens mit wesentlich höherem Einwohnerstand. Ein zukünftiges Problem, das derzeit ungern aufgegriffen wird. Weniger Menschen bedeutet geringere Fahrgastzahlen - heißt weniger Umsatz und bedeutet automatisch auch steigende Preise, was wiederum mehr Menschen veranlaßt doch keine Straßenbahn mehr zu benutzen. Alles in allem wird der Kosten - Nutzenfaktor bzw. der Nutzenfaktor dahinschmelzen wie Eis. Und wenn in gravierenden Fällen ganze Linien eingestampft werden müssen, sind alle Gutachten und Meinungen Lügen gestraft. Aber wer weiß das dann noch in ein paar Jahren. 

Übrigens - es sind mehr als 75 % der Langendreerer Einwohner gegen die Straßenbahn. 

* Amt für Statistik , Stand Februar 2006

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